Das Parfum

Das Parfum von Patrick Süskind

Alle Welt redet vom Film, alle Welt schwärmt vom Buch, von der Geschichte, von der Sprache, davon eine Sinneswahrnehmung, die man weder im Buch noch im Film vermitteln kann, so lebendig rüberzubringen.

Da ich dachte "den Film will ich sehen", kam ich zu dem Schluss "erst das Buch lesen!".

Soviel vorweg: Dank dieser Idee habe ich mir das Geld für den Kinobesuch gespart.

Was soll an dem Buch so wahnsinnig gut sein? Ich fand es sprachllich durchschnittlich, nicht holperig geschrieben, aber auch kein überraschender Lesefluss. Die Geschichte ist langatmig, fesselt einen nicht, baut keine Spannung auf, keine Sympathien. Man findet zu keiner Figur einen Zugang, sieht alle als recht platte Facetten und da es die Geschichte eines Mörders ist, wartet man auf die Spannung, die ein Mord wohl wecken sollte. Endlich (!) kommt der erste Mord und man denkt "nun gut, bisher war es nichts nennenswertes, aber vielleicht wird es jetzt wenigstens ein guter Krimi. Oder eine gute psychologische Studie der Mörders.". Aber nein, beides tritt nicht ein. Der nächste Mord geschieht erst unendlich viele Seiten später, Spannung ist ein Fremdword, Psychologie ... nun ja. Die lebendige Sinneswahrnehmung versteckte sich auch vor mir - lediglich ein "hm, nicht übel so gut riechen zu können" kam in mir auf.

Man beißt sich tapfer durch die Seiten, würde mittlerweile schon jede Perversion willkommen heißen, weil man sich dann wenigstens aufregen könnte, aber so recht will das Buch nicht. Immerhin, zwischendurch gibt es ein paar Seiten bei denen man denkt "und, bekommt er sie jetzt oder bekommt er sie nicht?" aber lange hält auch diese zurückhaltende Spannung nicht an und am Ende des Buches blieb nur ein:

Okay, wenigstens bekommt er das, was er verdient hat.

Auch wenn einen das nicht für die vielen langweiligen Seiten entschädigt, durch die man sich mühsam vorarbeiten mußte.

Wie schön, dass ich weder für den Film, noch für das Buch Geld ausgegeben habe - denn das konnte ich mir ausleihen, weil es genug arme Menschen gab, die es sich gekauft haben. 

24.10.06 10:50

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